Day 211: Kleine Kuriositäten unserer Familienauszeit - Teil 5

"Great country, but far too many rules"

FLAMM steht mit dem Camper an einer Tankstelle. Marcel kümmert sich um Benzinnachschub. Fabienne sich um die dreckigen Fenster. Die Heckscheiben sehen besonders übel aus. Fabienne trippelt auf Zehenspitzen von links nach rechts. Mit mässigem Erfolg. Irgendwie sind Körpergrösse, Camperhöhe und Schrupperlänge nicht so ganz optimal aufeinander abgestimmt.

 

"Shall I give you a hand with that?", erklingt plötzlich eine tiefe Stimme. 

 

Fabienne dreht sich nach rechts und erblickt einen charmant dreinguckenden Mittfünfziger mit leicht zerschlissenem T-Shirt und wilder Frisur. Sie bedankt sich und winkt aber ab. Es sei schon ok, sie sei eh fast fertig. Und das Putzwasser sei so dreckig, auch ein Zweimetermodell wie der Fragende könne da nur begrenzt was ausrichten.

 

Der Frager lacht. Und fragt, woher wir sind. 

Aus der Schweiz,  meint Fabienne. 

"Oh, great. Was there once, years ago. Loved it. But could never live there. Far too many rules! I do not like rules. At all!"

 

Erst jetzt bemerkt Fabienne, dass das zerschlissene Shirt eine Aufschrift im Sinne von "vermeide Regeln, habe Spass"  hat. Konsequent, der Tankstellencharmeur.

 

Die Unterhaltung geht weiter. Regeln, Neutralität, USA-Politik und dann Trump. Der Typ schafft es in zu vielen Gesprächen zum Thema zu werden. Der Regelvermeider hat seine ganz eigene Meinung und Theorie zum US-Präsidenten. Klassifiziert ihn als psychopathologisch massiv auffällig und liefert auch gleich die entsprechenden Diagnosen dazu. Inklusive selbst kreierter Bezeichnungen für Menschen mit Auffälligkeiten :-). Unterhaltsam ist das ganze alle Mal. In gewissen Punkten ist dem Regelvermeider wohl recht zu geben. Und in gewissen Punkten bleibt Fabienne mit Fragezeichen zurück. Weil ihr Englischwortschatz der Diagnose nicht folgen konnte. Auch gut. 

 

Als die Kids im Camperinnern wie wild gegen die Scheiben zu klopfen beginnen, nimmt Fabienne das als Zeichen zum Aufbruch und verabschiedet sich. Im Camper muss sie kurz Rede und Antwort stehen, weshalb sie mit dem lustig aussehenden Typen so lange gequatscht hat. 

 

Dann geht die Fahrt weiter. Raus aus dem Städtchen. Zurück auf wenig befahrene Strassen. 

Plötzlich braust von hinten ein Auto mit übersetzter Geschwindigkeit heran. Überholt uns dann mit mindestens 120 Sachen. Erlaubt wären 100 km/h. Eine Hand winkt uns aus dem Fahrerfenster zu. 

Na? Klar doch. Der Regelvermeider ;-)

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