Day 23: Immer schön reinspaziert!

Tiere und Nachbarn oder der Abschied von der typisch schweizerischen Privatsphäre

Als Fabienne vor einigen Tagen am Morgen aufstand und schlaftrunken in die Küche lief, hatte sie das Gefühl, von irgendwas angestarrt zu werden. Aha - die Nachbarin. Mit irgendwas in der Hand. Lächelnd am Fenster neben der Eingangstür. Wie viel Uhr haben wir? Es ist kurz nach sieben. Ok. Fabienne öffnete die Türe, setzte das bestmögliche Strahlen auf und versuchte gleichzeitig zu ignorieren, dass sie weder richtig wach noch wirklich angezogen war. Rani, die Nachbarin fragte besorgt, ob unser Baby noch schläft - sie habe es keinesfalls aufwecken wollen. Ja, Louan schläft immer noch, antwortete Fabienne. Ach, prima, dann ist ja alles bestens. Fabienne's mehr oder weniger nackte Erscheinung schien Rani also total egal zu sein. Und sie hatte frisch gebackene Roti gebracht, eine sri lankesische Spezialität. Extrem aufmerksam. 

 

Wieder ein paar Tage später steht dieselbe Nachbarin plötzlich in unserer Wohnung und wischt. Fabienne war kurz auf dem Klo, Marcel im Kinderzimmer mit den Kids. Es blieb dann nicht beim Wischen - Kinderkleider wurden verschoben, Tücher anders aufgehängt, inklusive einer Anleitung zum Waschen von Sandkleidern, plus zeitlicher Ausführungsaufforderung ;-) Und als wir gestern von einem Ausflug nach Hause kamen, sass besagte Nachbarin mit zwei andern Frauen gemütlich und bestens gelaunt auf unserem Sofa. 

Herrlich.

Im Vergleich dazu war der Affenbesuch von neulich geradezu dezent. Im damaligen Appartement musste Fabienne in der Nacht kurz nach Louan schauen, und traf dabei auf einen kleinen Affen, der gerade daran war, einen Sack Lebensmittel aus der Küche zu entwenden. Fabienne's Reaktion war aufgrund der tierischen Erscheinung und der Tatsache, dass es morgens um drei war, alles andere als dezent. Lauthals kreischend trifft es wohl am ehesten. Immerhin hatte das Herumgeschreie die Wirkung, dass Marcel im Nu zur Familienverteidigung heraneilte. Auch wenn der Affe bis dahin über alle Berge war. Deshalb hier auch die Anmerkung, dass das Foto zu Beginn des Textes für einmal nicht von FLAMM, sondern von IKEA stammt.

Wie der reingekommen ist, möchtet ihr jetzt evt. noch wissen? Das war so: Das Appartement hatte zwei Stockwerke. Das Erdgeschoss für lokale Massstäbe superschön ausgebaut. Der zweite Stock: im Ausbauzustand. Mit dem kleinen Haken, dass die Treppe nach oben direkt in die wilde Natur führte und nur durch ein bisschen Gitter abgesperrt war. Wir wollen gar nicht wissen, was da sonst noch alles mit uns in dem Haus wohnte.

 

Jedenfalls: Wohnen hier ist anders. Man teilt Nähe, Geräusche, Intimität auf andere Weise. Grenzen verschieben sich in Sri Lanka nicht nur hinsichtlich der Berührung von Kindern, sondern auch an der Türschwelle. Man darf immer damit rechnen, dass irgendwer, der irgendwie auch ein bisschen zur Nachbarschaft gehört, plötzlich dasteht. Was putzt, wegräumt, mitnimmt. Wenn du Glück hast, ist es der Müll, manchmal auch einfach dein blondes Kleinkind, um es irgendwem zu zeigen. Die Grundhaltung ist klar die, dass man den hier fremden Menschen etwas Gutes tun möchte. Insbesondere den Kindern. 

 

Jemand hört Hustengeräusche bei uns, am nächsten Tage wird eine extra dafür zubereitete natürliche Medizin gebracht. Verdächtige Klogeräusche führen zu ähnlichen Aktionen. Frische Früchte direkt ab Garten werden einem geschenkt. Eine Schale mit Fisch gebracht, weil man einen zu Grossen gekauft hat.

 

Man verliert also ein bisschen Privatsphäre im Vergleich zur Schweiz, mit dem riesigen Gewinn von ganz viel Fürsorge und Aufmerksamkeit. Schön, oder? Na ja, fast immer, zumindest ! :-)

 

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Comments: 1
  • #1

    Nana (Tuesday, 24 October 2017 10:01)

    Spannendi, lostegi, spezielli ond gueti Erläbnis. A das mues mer sech au z'erst gwöhne. Es esch euch secher ned langwielig. Spannend, spannend....